Vernissage Jacques Oerter

Es war ein Abend, der die Grenzen zwischen Leinwand und Lyrik verschwimmen ließ. Am 08. Mai 2026 öffnete die Trauherhalle in Steinheim Süd ihre Pforten für ein Ereignis, das noch lange in den Köpfen der zahlreichen Besucher nachhallen wird: Die feierliche Vernissage von Jacques Oerter.

Wortgewalt und Klangteppich
Punkt 19:00 Uhr füllte sich der Raum mit einer erwartungsvollen Atmosphäre. Den Auftakt machten inspirierende Redebeiträge, allen voran durch Burkhardt Huwe, der mit präzisen Worten in die Gedankenwelt des Künstlers einführte. Musikalisch
und emotional untermalt wurde das Programm vom Männerchor „Typisch Männerchor“. Die Stimmen der Sänger schufen eine Brücke zwischen der visuellen Kunst an den Wänden und dem gemeinschaftlichen Erleben im Raum.

„Zwischen Kunst und Vergänglichkeit liegt der Augenblick, den wir

heute Abend gemeinsam feiern.“

Im Fokus: Jacques Oerter
Der Mittelpunkt des Abends war zweifellos Jacques Oerter selbst. Er präsentierte sich nicht nur als Schöpfer visueller Welten, sondern als ein Gesamtkünstler, der das Publikum in seinen Bann zog. Seine Darbietungen in Kunst und Wort waren eine Hommage an den Geist von Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern. Mit schillernder Eloquenz und einem Hauch von skurrilem Humor entführte er die
Gäste in eine Welt, in der die Schwere des Themas „Vergänglichkeit“ durch die Leichtigkeit des Wortwitzes aufgebrochen wurde.

Der Austausch zwischen den Besuchern war intensiv: Vor den Werken entwickelten sich tiefgreifende Gespräche über das Werden und Vergehen – immer inspiriert durch Oerters facettenreiche Interpretationen.


Dass so zahlreiche Besucher den Weg in die Trauherhalle fanden, zeigt das große Interesse an einer Kunst, die sich traut, sowohl
tiefgründig als auch unterhaltsam zu sein. Es war ein Abend des Dialogs, des Staunens und der Erkenntnis, dass wahre Kunst niemals statisch ist, sondern im Austausch mit dem Betrachter lebendig wird.
Wir danken allen Beteiligten, den Rednern, dem Chor und vor allem Jacques Oerter für diese unvergessliche Reise durch Farben, Formen und Verse

Burkardt Huwe hielt zum Thema Helgoland und Jacques Örter einen spannende Laudatio, die wir hier veröffentlichen dürfen :

Lieber Jacques, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Steinheimer-innen und Steinheimer,
wer Jacques Oerter kennt, der weiß: Man bekommt nie nur eine Facette. Wir haben es eben gehört – diese wunderbaren Couplets von Otto Reutter.
Das ist Jacques, wie er leibt und lebt: Ein Steinheimer Original, ein Künstler mit Schalk im Nacken,
der uns mal mit feiner Klinge, mal mit Humor den Spiegel vorhält.
Lieber Jacques, du bist seit 1975 Teil der Gemeinschaft Steinheimer Kunstschaffender.
Du hast die Kunstszene unserer Heimat mitgeprägt.
Dass wir heute hier stehen, ist ein Verdienst deines unermüdlichen Schaffens und deiner Gabe, das „Wesen der Dinge“ zu ergründen – egal ob hier am Main oder seit einiger Zeit hoch oben im Norden auf Helgoland.
Meine Damen und Herren,
manche mögen im ersten Moment stutzen: Eine Kunstausstellung in einer Trauerhalle?
Doch als Ortsvorsteher ist es mir ein persönliches Anliegen, für unsere Vereine und Künstler neue Räume zu erschließen. Wir haben die Kulturhalle, wir haben jetzt das Museum – und nun nutzen wir im Rahmen der Reihe „Kultur auf den Hanauer Friedhöfen“ diesen Ort hier im Friedhof Süd.
Ein Friedhof ist ein Ort des Abschieds, ja.
Aber er ist eben auch ein Ort der Reflexion und der Stille.
Kunst braucht diesen Raum zum Atmen.
Wenn das Thema passt – und bei Jacques Oerters Werk,
das so tief in das „Wesen der Dinge“ blickt,
passt es hervorragend – dann gewinnt dieser Raum eine neue, tröstliche und lebensbejahende Dimension.
Wir zeigen heute: Steinheim ist kreativ, Steinheim ist mutig und wir finden für unsere Vereine immer einen Platz, um ihre Arbeit sichtbar zu machen.
Wir begehen heute den 8. Mai. Ein Datum, das in der Weltgeschichte als Tag der Befreiung, als 81. Jahrestag des Kriegsendes fest verankert ist. Wenn wir hier heute über Frieden, Kunst und Kultur sprechen, dürfen wir nicht vergessen, was diese Begriffe für unsere Heimat bedeuten.
In Steinheim endete das Grauen des Zweiten Weltkriegs glücklicherweise schon einige Wochen früher, am 27. März 1945. Nur wenige Tage nachdem unsere Nachbarstadt Hanau in Schutt und Asche versunken war, marschierten die amerikanischen Truppen der 6. Panzerdivision durch die Darmstädter Straße.
Es waren mutige Steinheimer, die damals Schlimmeres verhinderten. Ich denke an den Maler Franz Imgram, der auf dem Schlossturm die weiße Fahne hisste. Und ich denke an den Wasserturmwärter Franz Ewald.
Mit einer Zivilcourage, die uns heute noch als Vorbild dienen muss, kappte er die Zündkabel und rettete unseren Wasserturm vor der Sprengung durch die abziehende Wehrmacht.
Einzig unsere Brücke konnten sie nicht retten – sie fiel am 25. März den Sprengungen zum Opfer.
Dass wir heute hier in Freiheit Kunst genießen können, verdanken wir Männern wie ihnen.
Der Bogen dieser Ausstellung spannt sich von Steinheim nach Helgoland. Und auch hier begegnet uns die Geschichte mit einer Wucht, die Jacques in seinen Bildern verarbeitet hat.
Helgoland, diese rote Felsinsel, war nach dem Krieg von den Engländern besetzt. Fast genau zwei Jahre nach dem Ende in Steinheim, am 18. April 1947, erschütterte die Operation „Big Bang“ die Nordsee.
Es war die größte nicht-nukleare Sprengung der Geschichte. Man wollte die militärischen Anlagen vernichten und nahm dabei die Zerstörung der gesamten Insel in Kauf.
Wenn wir Jacques Oerters Bilder von Helgoland sehen, dann sehen wir eine Landschaft, die sich aus diesen Trümmern wieder erhoben hat.
Es ist eine Reise zum Wesen der Dinge – zur Widerstandskraft der Natur und des Geistes.
Die Zerstörung der Helgoländer Felsen und die Rettung unseres Steinheimer Wasserturms – beides sind Zeugnisse einer Zeit, die wir niemals vergessen dürfen, und die Jacques durch seine künstlerische Brille für uns neu deutet.
In der Stille dieser Trauerhalle korrespondieren die Bilder mit unserer eigenen Geschichte.
Hier die Rettung des Wasserturms – dort die fast völlige Vernichtung eines Felsens.
Beides ist Teil unseres Erbes.
Meine Damen und Herren, ich lade Sie ein, diesen Abend zu genießen. Lassen Sie sich von der Musik des „Typisch Männerchors“ und den Klängen von Peter von Eiff verzaubern. Nutzen Sie die Gelegenheit, mit Jacques Oerter ins Gespräch zu kommen – über Steinheim, über Helgoland und über das Leben an sich.
Ich danke der Stadt Hanau, der Hanau Infrastruktur und Service, hier besonders dem Team um Alexandra Kinski und der GSK für diese Initiative.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Burkhard Huwe

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