Erzengel Michael, der Heerführer

Einladung zur Ausstellung: Ikonen – ein Medium für die Ökumene


Unter diesem Leitgedanken lade ich Sie herzlich ein, eine Vielfalt von Ikonen im Rahmen der Reihe „Sommerkirche“ zu erleben.


• Ort: Sakristei der Alten Kirche am Main in Dörnigheim (Kirchgasse 20)
• Vernissage: Sonntag, 07. Juni 2026 um 10:45 Uhr (im Anschluss an den Gottesdienst, mit einem kleinen Sektempfang)

Gert Riemann: Ikonenmalerei – Faszination, Tradition und Handwerk.
Geboren 1939 in Ostpreußen und aufgewachsen in Niedersachsen, führte mich mein beruflicher Weg nach dem Studium zunächst in eine völlig andere Richtung: Ich war viele Jahre im Vertrieb großer Unternehmen tätig, zuletzt als Verkaufsleiter in der Automobilindustrie. Seit nunmehr 50 Jahren ist Steinheim meine Heimat, wo ich nach dem schmerzlichen Verlust meiner Frau im Kreis meiner zwei Kinder und der Kunst Halt finde.
Die bildende Kunst begleitet mich zwar schon seit meiner Kindheit, doch die nötige Zeit und tiefe Hingabe fand ich erst mit dem Eintritt in den Ruhestand. Der entscheidende Wendepunkt ereignete sich auf Reisen nach Russland und in andere Länder der Ostkirche. Dort begegnete ich erstmals der Ikonenmalerei in ihrer tiefen Vielfalt, prachtvollen Farbigkeit und spirituellen Aussagekraft. Diese Kunstwerke haben mich so tief fasziniert, dass in mir spontan der Wunsch reifte, dieses traditionelle Handwerk zu erlernen.
Meine fundierte Ausbildung erhielt ich bei Professor Dr. Helmut Fischer in Bad Nauheim. Er lehrte mich die alt-byzantinische Lasurtechnik in Eitempera auf kreidebeschichtetem Holz – eine jahrhundertealte Methode, die bis heute in den orthodoxen Malschulen unverändert weitergegeben wird.
Was als Faszination begann, ist längst zu einem Lebenswerk geworden: In den vergangenen 25 Jahren habe ich über 300 Ikonen geschaffen. Meine Arbeiten durfte ich bereits in zahlreichen Ausstellungen präsentieren, unter anderem im renommierten Ikonenmuseum in Frankfurt am Main.

Ikonen, die sichtbare Predigt in Bildern
Wie das gesprochene Wort, so ist auch das Bild, die Ikone, ein Medium der Verkündigung. Die Botschaft durch die Liturgie und Predigt hörbar, wird durch die Ikone sichtbar gemacht. Was die Predigt für das Ohr, ist die Ikone für das Auge.
Hierbei ist die Ikone kein autonomes Kunstwerk, in welchem sich die individuelle Kreativität des Malers ausdrückt, sondern sie ist der thematische Kanon von Darstellungen der Heiligen, der sich über Jahrhunderte in den orthodoxen Kirchen entwickelt hat und bis in die Gegenwart, traditionsgetreu, fortgeschrieben wird.
Ikonen wollen nicht, wie die weltliche Malerei, etwas darstellen, sondern sie wollen etwas sichtbar machen und ermöglichen somit Blicke in das Jenseits unserer sinnlichen Wahrnehmung.
Was ist bei Ikonen so anders als bei der weltlichen Kunst? Die Gestaltungsmittel sind Formen, Farben, Gesten und Symbole, wie sie sich in den östlichen Kulturen entwickelt haben. So sind z.B. die Attribute der Macht und Würde weitgehend dem kaiserlichen Hof von Byzanz entnommen und mit christlichen Inhalten gefüllt.
Wir erleben unsere Welt in dreidimensionaler Räumlichkeit. Die jenseitige, die göttliche Welt der Ikonen, ist jedoch nur zweidimensional und somit nicht gegenständlich. Damit lässt sich durch den Goldhintergrund, der die raum- und zeitlose Dimension des Jenseits symbolisiert, auch die nicht gegenständliche Transzendenz ausdrücken. Durch die Zweidimensionalität entfällt die uns vertraute Fluchtpunktperspektive. In der Ikone wird sie einfach umgekehrt, und der Fluchtpunkt wird zum Standort des Betrachters, dem Adressaten der Botschaft.
Da Ikonen nicht weltlich Gegenständliches darstellen, ist es auch nicht das diesseitige Licht der Sonne, das die Personen oder Gegenstände beleuchtet, sondern das schattenlose göttliche, von innen durchleuchtendem Licht, das wie bei einem Kirchenfenster in unsere Welt hineinstrahlt.
Bei den Farben zählt allein der Symbolwert, nicht die ästhetische Qualität und Harmonie.
Betrachten und erleben wir nunmehr Ikonen im Bewusstsein dieser Kriterien, dann werden Ikonen zum Fenster zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt, und der Betrachter zum Empfänger der Botschaft der Liebe Gottes.


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